Serbien

An Kilometer 1.433 passieren wir die Ungarisch - Kroatische Grenze und wenig später befindet sich am linken Ufer Serbien. Viel Natur um uns herum. Ab und zu begegnen uns Fahrgastschiffe und Gütermotorschiffe. In Bezan, am linken Ufer, könnten wir einklarieren, doch der Kapitän der Eloise gibt uns den Hinweis, dass wir das auch in Apatin erledigen können. Wir fahren weiter und es hört endlich auf zu regnen. Seeadler ziehen ihre Kreise und alles wirkt gelassener. 

Am Kilometer 1.402 zweigen wir links ab in den Stichkanal zur Marina Apatin. Die Serbisch Orthodoxe Kirche glänzt im Abendlicht und wir bekommen (nach telefonischer Anmeldung) den letzten freien Liegeplatz am Gästesteg. Der Tiefenmesser zeigt uns nichts mehr an und wir "schlurfen" über Sand in den Hafen. Nachdem wir im Hafenbüro bei Maja unsere Liegegebühren (7.000,- Serbische Dinar oder 60,- Euro pro Nacht) bezahlt haben, geht es zunächst ins Hafenlokal zum Essen und erst danach zur Polizei nach nebenan zum Einklarieren. Man muss ja Prioritäten setzen! 

Der diensthabende Wachmann spricht gutes Englisch, kopiert sich unsere Ausweise und erledigt den Papierkram. Wir sollten uns nach seiner Meinung jetzt auf der serbischen Seite bewegen, damit wir nicht ständig Ein- und Ausklarieren müssen. Und dann kommt er noch mit zu den Booten, um ein paar Fotos für seine Frau zu machen. Er bemerkt die richtige Flagge an der Gösch und beendet seine "Polizeikontrolle" nach einer kleinen Bootsbesichtigung. Bisher sind wir ausschließlich freundlichen und hilfsbereiten Menschen begegnet! Wir bleiben zwei Nächte hier in Apatin.

Von Apatin bis Novi Sad

Wir fahren wieder auf die Donau, dem Amazonas von Europa! Apatin liegt an Kilometer 1402 und unser nächstes größeres Ziel ist Novi Sad an Kilometer 1272. Zwischendurch ankern wir noch zwei Mal. Vorbei an der kroatischen Stadt Vukovar mit ihrem Kriegsmahnmal, dem zerschossenem Wasserturm, geht es ostwärts. Zwischendurch gibt es noch eine Polizeikontrolle und trotz aller Befürchtungen finden wir schließlich in Novi Sad im ehemaligen Winterhafen einen schönen Anleger beim Segelklub Vojvodina. Wir bleiben für drei Nächte und bezahlen pro Schiff dafür 60,- Euro. Allerdings ohne Strom und Wasser. Novi Sad ist eine sehr schöne und interessante Stadt. Wir finden gute Lokale mit ausgezeichnetem Essen, kaufen in der Markthalle ein und kochen Marmelade an Bord von den frischen Kirschen und Erdbeeren. Es gefällt uns hier. Wir bekommen Besuch von Franjo. Er spricht ausgezeichnet Deutsch und gibt uns wertvolle Tipps für unseren Aufenthalt. 

In Belgrad eine Pause - В гостях у Ивана и Майи - Zu Gast bei Ivan und Maya

Wir haben Belgrad erreicht. Nach einer zweistündigen Liegeplatzsuche in der Stadt kommen wir am Anleger von Ivan vor dem "Dunavski Alasi", einem Fischrestaurant, für die nächsten Tage unter. Er ist so freundlich und legt uns Strom und Wasser vom Lokal bis runter zum Steg. Wir "buchen" unseren Stammtisch für die nächste Zeit und werden täglich bei ihm einkehren. Seine Frau Marianna spricht gut englisch und wir können uns verständigen. Nach einem selbstgebrannten Birnenschnaps vom Schwiegerpapa ist die Stimmung locker und gelöst. Wir bekommen einen exklusiven Shuttle Service mit dem restauranteigenen Fischerboot rüber nach Belgrad und werden am Abend auch wieder abgeholt. Der erste Tag in Belgrad ist übervoll mit Eindrücken. 

 

Ivan und Maya sind perfekte Gastgeber! Wir sitzen gerne jeden Abend im Restaurant und probieren die unterschiedlichsten Gerichte, doch zwei Mal bekocht uns die Chefin gratis mit dem allerfeinsten Gulasch und anderen serbischen Spezialitäten. Unser junger Kellner Ognjen ist tagsüber Student in Belgrad. Er ist sehr bemüht und lernt extra für uns ein paar Worte Deutsch! Wir fühlen uns sehr wohl und sind froh, dass wir hier untergekommen sind!

Noch mehr von Belgrad

Wir organisieren einen Kleinbus mit Fahrer und Reiseleiter um mehr über Belgrad zu erfahren und zu sehen. Unsere Tour geht in die Innenstadt, vorbei an Ministerien, Kriegsruinen, dem Botschaftsviertel, dem Regierungssitz von Staatschef Aleksandar Vukovic und zur großen Festung. Wir besuchen auch den St. Sava- Tempel, in dem gerade für ein paar Tage der "Gürtel der Maria" ausgestellt wird. Die Gläubigen stehen teilweise 16 Stunden in kilometerlangen Schlangen an. Tankwagen mit frischem Wasser versorgen die wartenden Menschen bei Temperaturen von 30° Celsius. Wir erfahren sehr viel über diese interessante Stadt und ihre Bewohner. 

Titos Blauer Zug und andere Schienenfahrzeuge

Ein "Muss" für einen Trainspotter ist der Besuch der alten Lokhalle in Košutnjak. Dort stehen fast alle Wagen von Marschall Tito´s Blauem Zug. Der Diktator reiste gerne mit seinem Staatszug durch Jugoslawien. Die drei in Deutschland gebauten sechsachsigen V200 Diesellokomotiven von Krauss-Maffei rotten seit Jahrzehnten dort vor sich hin. Auch die aktiven Vorortzüge Belgrads sind keine besondere Augenweide. Fernzüge jedoch sind neu und von Stadler in der Schweiz.

Und auch die Straßenbahnen in der Stadt sind teilweise siebzig Jahre alt (Skoda) und teilweise nagelneu.

Das neue Belgrad - die "Waterfront".

Zum Leidwesen vieler Bürger hat die amtierende Regierung alte, gewachsene Bausubstanz vernichtet, um ausländischen Investoren Grundstücke an der Savemündung für moderne und teure Projekte zur Verfügung zu stellen. Die "Belgrade Waterfront" beherbergt neben Hochhäusern auch eine riesige Einkaufspassage. Restaurants, Cafés und Bars laden am Flussufer zum verweilen ein und in der klimatisierten Einkaufsmeile kann man sein Portemonnaie sehr schnell schlanker werden lassen. Dafür ist das Parken in der riesigen Tiefgarage für drei Stunden kostenlos! 

Zemun und die Habsburger

Wir nehmen uns die Zeit und fahren rüber nach Zemun - früher eine eigenständige Stadt - heute ein Stadtteil von Belgrad. Am Donauufer suchen wir uns ein Lokal und speisen recht gut. Danach erkunden wir die Altstadt, die Fußgängerzone und den Gardoš Turm, der 1896 errichtet wurde. Er ist der letzte von ehemals vier ungarischen Jahrtausendtürmen, die die Grenzen des Reiches markierten. Die österreichisch-ungarische Monarchie brach nach dem Ersten Weltkrieg zusammen.

Von hier oben hat man einen tollen Blick auf Belgrad.

Jetzt wird es spannend! - Das Eiserne Tor...

Am 9. Juni sollten die Crews beider Boote wieder vollständig sein. Für die Karma Vida trifft das zu, für unsere "No Worries" nicht. Brigitte hat sich ein paar Stunden vor dem Rückflug nach Belgrad den Fuß gestaucht, gebrochen oder geprellt. Sie verbringt über acht Stunden in der Notaufnahme im Rosenheimer Krankenhaus. Treppenstufen können doch böse sein! Da die Karma Vida derzeit mit vier Personen unterwegs ist, steigt Ralf, einer der Gäste, zu mir an Bord. Als passionierter Segler beherrscht er die seemännischen Grundlagen und es gibt nicht viel zu Erklären. Ivan, unser Liegeplatzvermieter der letzten zwei Wochen, spendiert noch einen türkischen Kaffee und wir drücken uns zum Abschied. Er war mit seiner Frau Maja ein perfekter Gastgeber. Um halb Zehn legen wir ab um die 91 Kilometer zur Festung Ram zu fahren. Die Fahrt ist dank guter Gespräche sehr kurzweilig und um 18 Uhr sitzen wir in der kleinen Dorfkneipe unterhalb der Festung bei Cevapcici und Bier. 

Am nächsten Tag sind wir gegen Mittag vor dem "Eisernen Tor" und machen eine Pause. Beeindruckend ist die Festung Golubac mit ihren vielen Wehrtürmen! Die Donau hat hier eine Breite von sechs Kilometern und wirkt eher wie ein See. Am linken Ufer ist die rumänische Grenze, auf der rechten Seite befinden wir uns noch in Serbien. Am Abend, kurz vor Einbruch der Dunkelheit, erreichen wir den Ort Doni Milanovac und wollen gemäß Revierführer am städtischen Ponton festmachen. Doch den gibt es nicht mehr. Für die Fahrgastschiffe hat man zwei neue Pontons gebaut, die jedoch abgeschlossen sind. Also noch ein paar Kilometer weiter in die Ankerbucht und dann endlich Feierabend! Belohnt werden wir mit einem wunderschönen Sternenhimmel. Von hier aus sind es jetzt noch knapp 1000 Kilometer bis zum Schwarzen Meer.

300 Meter hohe Felsen und 85 Meter Wassertiefe...

Das Eiserne Tor erstreckt sich über eine Länge von etwa 120 Kilometer. Man nennt es so, da es vor der Regulierung 1972, für die Donauschifffahrt ein natürliches Hindernis durch die vielen "eisernen Felsen" am Grund gewesen ist. In der Nähe der rumänischen Ortschaft Dubova blickt eine 55 Meter hohe Steinskulptur auf die Donau herab. Sie wurde zwischen 1994 und 2004 in den harten Kalkstein gehauen und stellt den Dakerkönig Decebalus dar.

Die "Tafel des Trajan" ließ der Kaiser 105 n. Chr. anläßlich des Baus der Römischen Militärstrasse in den Fels setzen. 

Nach gut 60 Kilometern Strecke und ein paar Stunden Wartezeit vor- und in der Schleuse "Eisernes Tor 1" erreichen wir bei heftigem Wind unseren Ankerplatz an Km 928 am rechten Ufer, gegenüber einer Insel.